Kopftuch als Kündigungsgrund?

Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 10.10.2002, Az: 2 AZR 472/01

Eine türkische Verkäuferin hatte kurz vor der Rückkehr aus dem Erziehungsurlaub ihrem Arbeitgeber, einem Kaufhaus, angezeigt, dass sie zukünftig während der Arbeit aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen wolle. Nachdem es zwischen der Arbeitnehmerin und dem Arbeitgeber zu keiner Einigung in dieser Frage kam, wurde der Verkäuferin ordentlich gekündigt.

Aufgrund des Urteils des Bundesarbeitgerichts (BAG) kann die Betroffene nun wieder ihre Tätigkeit in dem Kaufhaus ausüben und dabei auch ein Kopftuch tragen. Das BAG führte u.a. aus, dass die Weigerung der Verkäuferin, entsprechend der Anordnung des Arbeitgebers während der Arbeitszeit auf das Tragen eines Kopftuch zu verzichten, nicht die Kündigung rechtfertige.

Das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Gründen fällt in den grundgesetzlichen Schutzbereich der Glaubensfreiheit. Auch die unternehmerische Betätigungsfreiheit genießt grundrechtlichen Schutz. Allerdings ist zwischen beiden Positionen ein weitgehender Ausgleich zu versuchen. Allein die Befürchtung, es könne zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen des Unternehmens etwa durch negative Reaktionen von Kunden kommen, reicht für eine Kündigung nicht aus. Dem Kaufhaus wäre daher eine „Erprobung" zumutbar gewesen. Wenn die erwarteten Störungen tatsächlich eingetreten wären, hätte außerdem versucht werden müssen, diesen auf andere Weise zu begegnen.