Forum der Vielfalt

Sexuelle und geschlechtliche Identitäten in der Migrationsgesellschaft

Ioannis Karathanasis

Eine wichtige Erkenntnis unserer langjährigen Netzwerkarbeit ist, dass ein kritisch, nachhaltiger und gleichzeitig von Wertschätzung getragener Dialog der einzelnen Merkmalsgruppen nach dem AGG untereinander noch unzureichend ist.
Mangelndes Verständnis und Vorurteile prägen nicht selten auch die Einstellung gegenüber Angehörigen anderer von Diskriminierung betroffenen Gruppen. Intersektionale Diskriminierungen stehen bislang kaum im (öffentlichen) Fokus. Von Mehrfachdiskriminierung Betroffene stehen oft vor der Wahl, sich selbst entweder mit der einen oder anderen Gruppe identifizieren zu sollen.  Besonders ausgeprägt ist diese Erkenntnis bei Angehörigen der (religiös-)migrantischen und/oder LSBTT*IQ Communities.

Mit dem Projekt soll ein auf gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung beruhender Dialog zwischen den LSBTT*IQ Communities und denen der Menschen mit Migrationshintergrund initialisiert und begleitet werden. Er zielt darauf ab, unterschiedliche Lebensentwürfe aufgrund sexueller/geschlechtlicher Identitäten, kultureller oder religiöser Traditionen sichtbarer zu machen, gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Mit eigenen Norm- und Wertvorstellungen soll sich kritisch auseinandergesetzt werden, so dass bestehende Vorurteile abgebaut werden.

Zum anderen zielt das Projekt darauf ab,  die persönliche Situation von LSBTT*IQ mit Migrationshintergrund bzw. aus traditionellen oder religiösen Kreisen zu verbessern. Schätzungen zufolge betrifft dies ca. 100.000 LSBTT*IQ alleine in Hessen.

Unser Vorhaben hat einen intersektionalen Ansatz, um einen transkulturellen und religionssensiblen Dialog zu schaffen.

  • Regelmäßige Dialogforen "Forum der Vielfalt" zwischen migrantischen Selbstorganisationen/Religionsgemeinschaften und LSBTT*IQ Organisationen in den verschiedenen Regionen Hessens
  • Vernetzung zwischen Ansprechpartner*innen von migrantischen Selbstvertretungsorganisationen/Religionsgemeinschaften und LSBTT*IQ Organisationen
  • Sensibilisierungstrainings zu intersektionaler Diskriminierung innerhalb und außerhalb migrantischen Selbstvertretungsorganisationen/Religionsgemeinschaften sowie LSBTT*IQ Organisationen
  • Empowermenttrainings für  vulnerable Statusgruppen wie LSBTT*IQ Migrant*innen und LSBTT*IQ Geflüchtete innerhalb und außerhalb migrantischen Selbstvertretungsorganisationen/Religionsgemeinschaften sowie LSBTT*IQ Organisationen.
  • Begleitet wird dies mit einer Befragung zu möglichen Vorurteilstrukturen in migrantischen Selbstvertretungsorganisationen/Religionsgemeinschaften sowie LSBTT*IQ Organisationen und Erstellung einer Handlungsempfehlung.

Das Projekt greift damit auch ausdrücklich eine Vielzahl der Ziele des „Hessischen Aktionsplans für Akzeptanz und Vielfalt“ auf:

  • Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt
  • Offenes und diskriminierungsfreies Leben
  • Vorbeugung von homo- und trans*feindlicher Gewalt
  • Sichtbarkeit von LSBT*IQ durch Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung
  • Verbesserung der Datenlage durch Forschung und Studien
  • Unterstützung bei der Entwicklung von Strukturen, Vernetzung und Austausch
  • „Hilfe zur Selbsthilfe“ (Empowerment)

und leistet einen Beitrag zu deren Umsetzung.

Haben Sie Fragen: Ihr Ansprechpartner ist Ioannis Karathanasis.


Bescheidübergabe am 5.6.2018 im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration

v.l.n.r.: Klaus Stehling (Referent, Stabsstelle Antidiskriminierung im HMSI), Susanne Stedtfeld (Leiterin Stabsstelle Antidiskriminierung im HMSI), Staatssekretär Kai Klose (Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung der Hessischen Landesregierung), Ulrike Foraci (Geschäftsführerin agah-Landesausländerbeirat), Ioannis Karathanasis (Projektleiter "Forum der Vielfalt" und Koordinator des Netzwerks gegen Diskriminierung Hessen)
Foto: @HSMI