Konzept zur Deutschförderung bei ausländischen Kindern im Kindergartenalter

Ein Projekt zur Förderung der Integration ausländischer Kinder in Kindergärten der Stadt Taunusstein

 

Entwickelt von:

Yasemin Bulut

Diplom Pädagogin 

Arndstr. 18

65232 Taunusstein

Tel.: 06128 / 480960

Anatoli Pimenidou

Diplom Psychologin

Gottfried-Keller Str. 20

65232 Taunusstein

Tel.: 06128 / 936293

kkalpaki@onlinehome.de

Taunusstein, im Mai 2002

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort.... 3

2. Theoretischer Hintergrund.... 4

2.1 Bedingungen der Sprachentwicklung.. 4

2.2 Entwicklung des Spracherwerbs in groben Zügen... 4

2.3 Definitionen... 5

2.4 Förderung des Zweitspracherwerbes.. 5

3. Ziele.... 7

3.1 Warum?... 7

3.2 Was?... 8

3.3 Wie?... 8

3.3.1 Mit Kindern... 8

3.3.2 Mit Eltern... 11

3.3.3 Mit Erzieherinnen... 13

4. Organisatorische Themen.... 15

4.1 Wann? Wo? Wie oft?... 15

4.2 Finanzen... 15

5. Effektivität.... 16

6. Nachwort.... 16

1. Vorwort

Die Integrationsbeauftragte des Rheingau-Taunus-Kreises, Frau Sevgi Hamuroglu, und der Ausländerbeirat Taunusstein sehen ihre Aufgabe in der Integration ausländischer Bürger und ihrer Interessenvertretung. Wir wollen die Akzeptanz, den Respekt und ein friedvolles Zusammenleben zwischen deutschen und ausländischen Menschen in Deutschland unterstützen. Mitbürger unserer Stadt sollen sich wahrnehmen und wertschätzen, und eine Begegnung soll möglich sein.

 

Das wichtigste Medium für Begegnung ist die Sprache. Wir wollen durch dieses Projekt ausländischen Kindern deutsche Sprachförderung anbieten. Die Kinder sollen dadurch eine Starthilfe bekommen, kommunikationsfähiger und handlungsfähiger werden und sich somit als Mitglieder dieser Gesellschaft verstehen.

 

Die Ergebnisse der Pisa-Studie und die Überzeugung, dass die Beherrschung der deutschen Sprache die Integration, das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmungsfähigkeit von AusländerInnen maßgeblich unterstützt, führten zu der Entwicklung dieses Projektes.

Die meisten ausländischen Kinder lernen im Kindergarten ausreichend Deutsch. Trotzdem gibt es Kinder, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult werden. „Erziehungs- und Bildungseinrichtungen berichten“ sogar „zunehmend über ein sinkendes Sprachniveau bei Migrantenkindern. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist aber fraglos eine entscheidende Voraussetzung für die soziale Integration und die Bildungschancen dieser Kinder“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.8).

 

Dieses Projekt wurde entwickelt für Kinder, die vor der Einschulung noch nicht genügend deutsche Sprachkenntnisse erworben haben, und für die Kinder, die vor dem Kindergarteneintritt nur sehr wenige Erfahrungen mit der deutschen Sprache machen konnten.

Dies soll aber keine defizitorientierte Förderung sein, sondern eine ganzheitliche Entwicklungsunterstützung bzw. –begleitung. Durch Sprachförderung im Kindergarten wollen wir Kinder in der Entwicklung ihrer multikulturellen Identität stützen „auf der Grundlage eines wertschätzenden und akzeptierenden Umgangs mit der Mehrsprachigkeit“. (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 23).

Wir wollen ihre Kommunikationsfähigkeit und Kommunikationsfreudigkeit unterstützen, und dabei soll die deutsche Sprache als Mittel dienen und nicht Gegenstand des Lernens sein.

 

Mit dieser Haltung hoffen wir, den Kindern bei der Verbesserung ihrer Bildungschancen, bei der Entwicklung ihres Selbstbildes und ihres Selbstwertgefühls, bei der Entwicklung von Kommunikations- und Lebensfreude helfen zu können.

Ebenso möchten wir die Eltern und Erzieherinnen im Rahmen dieses Projektes in ihren Erziehungsaufgaben unterstützen, und gleichzeitig benötigen wir ihre Unterstützung für das bestmögliche Gelingen unseres Vorhabens.

Wir können auf dem Weg zu diesen Zielen den Kindern eine Entwicklungsbegleitung bieten und hoffen gleichzeitig, viele Denkanstöße geben zu können.

 

2. Theoretischer Hintergrund

2.1 Bedingungen der Sprachentwicklung

 

„Jeder Mensch bringt eine angeborene Bereitschaft mit, Sprache zu lernen. Sie entwickelt sich jedoch nicht von allein: Das Kind erwirbt sie in der aktiven Auseinandersetzung mit seiner Umwelt“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 12).

Weitere Voraussetzungen für die Sprachentwicklung außer den Kontakten zu anderen Menschen sind: “physiologische Bedingungen, Ausbildung der Stimme, Entwicklung der Sinne und der Grob- und Feinmotorik, die sozial- emotionale und geistige Entwicklung sowie die Hirnreifung“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 12).

Das Kind erwirbt Sprache also ganzheitlich: es lernt keine Vokabeln und keine grammatikalische Regeln, sondern begreift die Sprache mit allen Sinnen, es erspürt die emotionale Färbung der Wörter und bedient sich schließlich dieser Sprache, um seinen Wünschen und Gefühlen Ausdruck geben zu können.

 

2.2 Entwicklung des Spracherwerbs in groben Zügen

 

Die Grundlagen für Kommunikationsstrukturen bilden sich schon in den ersten Lebenswochen. Auch in der Phase des Lallens „entstehen durch das Hin und Her lautsprachlicher Äußerungen zwischen Kind und Bezugsperson erste Dialoge, in denen das Kind aktiver Kommunikationspartner ist“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.13).

Das Sprachverständnis geht der Sprachfähigkeit vor. Gegen Ende des ersten Lebensjahres macht das Kind Einwortäußerungen. Die Zweiwortäußerungen treten zunehmend bis zum zweiten Lebensjahr auf. Es folgt das erste Fragealter (was ist das?). Danach das zweite Fragealter (warum?) Bis zum vierten Lebensjahr hat das Kind die wesentlichen Strukturen der Sprache erworben.

„Es ist in der Lage, einfache Sätze zu bilden und verbindet teilweise schon Hauptsätze mit Nebensätzen. Das Kind kann zusammenhängend in einfachen Sätzen über Erlebnisse berichten. Die oft mit „und dann“ verbunden werden... . Das Kind benutzt die Mehrzahlbildung und Vergangenheitsformen... . Bis zum Alter von sechs Jahren ist die Sprachentwicklung in den Grundzügen abgeschlossen.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 16). Diese Zeitangaben für die Sprachentwicklung können aber nur grobe Richtwerte sein, jedes Kind entwickelt sich individuell.

Die Eltern und die gesamte Umgebung unterstützen das Kind, indem sie sich meistens mit ihrem Sprachstil intuitiv an seine (Sprach-)Fähigkeiten anpassen. Sie motivieren das Kind, wecken seine Sprechfreude im Dialog und wiederholen immer wieder das Erlernte.

2.3 Definitionen

 

Erstsprache, Muttersprache, Familiensprache oder Nichtumgebungssprache ist „die erste Sprache, die kleine Kinder umgibt, sie spielt in jedem Falle eine in vielerlei Hinsicht höchst prägende Rolle und verdient in dieser Rolle jede Achtung, denn sie bereitet weiteren Sprachen den Weg“ (LIST, G. Vortrag „Das Gehirn hat Platz für viele Sprachen“, Mai 2001).

Von Bilingualismus oder Zweisprachigkeit ist die Rede, wenn das Kind von Geburt an zwei Sprachen erlernt. Dazu sind Kinder fähig. Allerdings ist das Trennen der Sprachen eine günstige Voraussetzung für den Lernprozeß. Jede Familie muß dabei ihre eigenen Regeln entwickeln. Ob „eine Person – eine Sprache“ oder „eine Situation – eine Sprache“ muß jede Familie für sich herausfinden.

Von Zweitspracherwerb ist die Rede, wenn die zweite Sprache (Umgebungssprache) später erworben wird. Kinder, die bereits eine Muttersprache erworben haben, bevor sie eine andere Sprache erlernen, nehmen die zweite Sprache durch die Brille der Familiensprache wahr. Wenn Kinder ihre Muttersprache nicht altersgerecht sprechen können, sind Probleme beim Erlernen der Zweitsprache vorprogrammiert. Wenn Kinder beim Erwerb einer Zweitsprache gefördert werden sollen, dann sollte auch die Erstsprache berücksichtigt werden.

Von Mehrsprachigkeit reden wir, wenn einer Person zwei oder mehr Sprachen als Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen unabhängig vom Zeitpunkt des Erlernens der Sprache. Ein sogenanntes „Mischen“ der Sprachen ist dabei hinderlich. Eine Mehrsprachigkeit streben wir mit unserer Arbeit an, wobei wir die deutsche Sprache konsequent fördern werden, und uns für die Erhaltung aller erlernten Sprachen einsetzen werden.

 

2.4 Förderung des Zweitspracherwerbes

 

„Aus der Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass Vorschulkinder anders lernen als Schulkinder. Sie lernen noch sehr anschaulich und konkret unter starker Beteiligung der Sinne. Das heißt, dass Kinder die zweite Sprache im Kindergarten in alltäglichen und natürlichen Handlungssituationen erwerben. Dies ist der so genannte natürlicher oder ungesteuerte Zweitspracherwerb... . Kinder lernen in Spiel- und Handlungssituationen unter Einbeziehung des Körpers und aller Sinne. Im natürlichen Zweitspracherwerb verläuft der Spracherwerb ähnlich wie bei der Erstsprache. Jedoch fließen die Vorerfahrungen aus dem Erstspracherwerb in den Lernprozess ein.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.20).

Sprachförderung kann in diesem Alter nicht eine isoliert zu fördernde Technik sein, bei der der Wortschatz aufgebaut und grammatische Regeln gelernt werden. Sondern man kann versuchen den Kindern zu helfen, soziale Beziehungen aufzubauen in der Kindergruppe und ihre Handlungsfähigkeit zu erweitern. Dabei erweitert sich natürlich auch der Wortschatz und grammatikalische Regeln werden eingeübt.

 

Es ist auch „von grundlegender Bedeutung, mit welcher Haltung die Förderung stattfindet und in welches Gesamtkonzept sie eingebettet ist... . Die Förderung der deutschen Sprache darf nicht mit einer Leugnung oder Verdrängung der bisher gelernten Sprache und der Erfahrungen des Kindes einhergehen. Sprachförderung sollte integriert sein in ein Konzept interkultureller Pädagogik, bei der die kulturelle Vielfalt aller Beteiligten einen Platz hat. Dazu gehört auch die selbstverständliche Präsenz von Materialien aus anderen Kulturen. Sie kann über mehrsprachige Kassetten und Bilderbücher, farbige Puppen oder verschiedene  Schriftzeichen hergestellt werden“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 10 -11).

Und vor allem gehört dazu die bewusste Wahrnehmung und Wertschätzung von Kindern und Erwachsenen, die anders sind. „Wichtiger als das Planen und Organisieren von aufwendigen interkulturellen Aktionen ist es, interkulturelle Erziehung als Teil des Alltags zu verstehen. Interkulturelle Erziehung ist kein Projekt, sondern eine Haltung. Wer sie sich zu eigen macht, braucht keine große Veranstaltungen mit besonderem Programm. Gesprächsthemen, Spiele, Bilderbücher, Lieder, Essen, Sprache, Umgangsformen und vieles mehr sind Elemente des Alltags, die im Zusammenleben ganz unspektakulär die Vielfalt der Menschen widerspiegeln können“. (Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, Elke Burkhardt Montanari, 2000, Brandes & Apsel, S. 82).

 

Das Migrantenkind tritt im Kindergarten nicht nur mit der deutschen Sprache verstärkt in Kontakt, sondern es setzt sich mit der gesamten deutschen Kultur auseinander. Das Kind begibt sich dadurch in einem Integrationsprozess der lebenslang anhält. Es lernt, in der deutschen Kultur zu leben, es wird letztendlich teilweise auch selber deutsch sein. Aber es wird auch teilweise immer seine Herkunftskultur als einen Teil von sich erleben. Also, jedes Migrantenkind muss einen intrapsychischen Integrationsprozess leisten. Es muss beide Kulturen in seiner Person integrieren wie jeder Mensch, der nicht in einer monokulturellen Umgebung lebt. Dieser Prozess spiegelt sich natürlich auch in der Sprache. Wir wollen durch unser Projekt den Kindern die Mehrsprachigkeit und das Leben in mehreren Kulturen als Chance vermitteln und nicht als Belastung. Denn wir erleben das multikulturelle Dasein auch selber als Chance und als Bereicherung.

 

„Kinder sprechen in der Regel in der Zweitsprache erst, wenn sie die Bedeutung der Wörter verstehen. Der Zeitpunkt, zu dem einzelne Kinder aktiv zu sprechen beginnen, ist jedoch sehr unterschiedlich. Manche Kinder sprechen nach kurzer Zeit unter Verwendung weniger Worte... Andere verstehen und speichern viele Wochen die Begriffe und fangen dann erst an- häufig in Satzform – zu sprechen“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.20).  Manche Kinder verstummen sogar bis zu einem Jahr und weigern sich, in der Zweitsprache zu reden. Dies zeigt, wie sensibel die Eintrittsphase in den Kindergarten ist. Eine wertschätzende Haltung gegenüber der Muttersprache ist sehr wichtig. Es sollte vermieden werden, dass das Kind in ein unbewusstes Loyalitätsdilemma gegenüber einer der zwei Kultur- und Sprachwelten gerät. Den bei einem friedlichen miteinander beider Kulturkreise haben Vorschulkinder die Möglichkeit, die zweite Sprache noch akzentfrei zu lernen. Wenn das Migrantenkind aber zusätzlich noch solche Konflikte bewältigen muss, wird der Lernprozess erschwert.

Es ist uns allerdings bewusst, dass trotz aller Bemühungen einige Kinder systematische Sprachstörungen haben könnten, die dann in allen Sprachen auftreten werden. Für diese Fälle stehen wir in Kontakt zu der Frühförderstellen in Taunusstein. Unser Projekt könnte durch die systematische Auseinandersetzung mit den Sprachfähigkeiten der Kinder  zu einer Sensibilisierung und zu einer frühen Feststellung solcher Störungen führen. Ein solcher Nebeneffekt könnte für einzelne Kinder sehr wichtig sein, den je früher eine Störung diagnostiziert wird, desto besser sind die Entwicklungschancen.

 

Zum Schluss dieser Theoretischen Überlegungen wollen wir noch einige allgemeine Prinzipien auflisten, die wir im Buch „wie Kinder mehrsprachig aufwachsen“ fanden, und die auch unserer Grundhaltung entsprechen:

Individualität

Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jedes Kind hat ein Recht darauf, in seiner Einzigartigkeit respektiert zu werden, mit seinem Aussehen, seinen persönlichen Fähigkeiten und Erfahrungen und seiner ganz individuellen Prägung. Kinder sind verschieden und dürfen verschieden sein. In ihrer Verschiedenheit sind sie aber gleichwertig.

Wertschätzung

Jedes Kind ist willkommen und erfährt Wertschätzung all dessen, was seine besonderen, individuellen und vielfältigen Erfahrungen ausmachen. Alles, was dem Kind persönlich wichtig ist, wird ernst genommen und ausdrücklich befürwortet.

Positive Identität

Jedes Kind hat ein Recht auf die Entwicklung eines positiven Selbstbewusstseins. Dazu braucht es positive Vorbilder, ein entsprechendes Umfeld und die Unterstützung und Anregung durch Erwachsene.

Repräsentanz

Ausstattung und Alltag in Kindergarten, Schule, Hort oder Kindergruppe sind so gestaltet, dass sich jedes Kind darin wiederfindet und vertreten fühlt.

Perspektiven wechseln

Die Verschiedenartigkeit der Kinder ist kein Mangel, sondern eine Bereicherung. Sie bietet allen die Chance auf vielfältige Erfahrungen und Lernmöglichkeiten.

Gemeinsamkeiten betonen

Gemeinsamkeiten zwischen Kindern unterschiedlicher familiärer, kultureller und ethnischer Herkunft gilt es zu entdecken und zu fördern, ohne dass dabei die Unterschiede geleugnet werden.

Normalität

Die Vielfalt der Weltanschauungen und der Formen des menschlichen Zusammenlebens ohne Wertung zu vermitteln und sie gemeinsam mit den Kindern zu erfahren, lässt diese Vielfalt zu einem Stück Normalität werden.“ (Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, Elke Burkhardt Montanari, 2000, Brandes & Apsel, S. 82-83)

 

3. Ziele

 

Im folgenden soll dargestellt werden:

 

Unsere Bemühungen setzen auf drei Ebenen an:

 

3.1 Warum?

 

Wir wollen die deutsche Sprache bei ausländischen Kindern im Kindergarten fördern:

 

3.2 Was?

Wir wollen folgende Lernziele mit den Kindern erreichen:

 

3.3 Wie?

3.3.1 Mit Kindern

 

Unsere Arbeit mit den Kindern wird spielerisch ablaufen. Spielerisch deshalb, weil die Kinder alles, was sie zum Leben brauchen, spielerisch erproben, lernen. Spielen ist eine Lebens- und Lernform in der frühen Kindheit. Zu den Merkmalen gehören z.B., dass das Spiel von innen motiviert ist, es ist eine Tätigkeit und Bewegung, es ist ein freies Tun (nichts vorgeschriebenes) und zugleich auch eine Vorbereitung aufs Leben (Lernmöglichkeit). Durch das Spielen sammeln die Kinder ihre eigene Erfahrungen mit sich selbst. Ein Frontalunterricht wäre nicht kindgerecht im Kindergarten. Die Kinder werden eher deutsch im Spiel lernen, wenn die Sinne angesprochen werden, im Zusammenhang mit Bewegung, auch mit Hilfe von Kinderbüchern, aber immer nach dem Lustprinzip. Kindgerechtes Lernen kann also nur im Tun, im Spielen, im Malen, im Bewegen, im Singen oder Reimen stattfinden.

 

Wir werden in der konkreten Arbeit viele Bewegungsspielen benutzen  Diesen Schritt finden wir deshalb wichtig, weil Kinder, die nicht sprechen wollen, hier ihre positiven Erfahrungen machen können, weil hier die Sprache eine zweitrangige Rolle spielt. Sie werden durch die Bewegungsspiele Freude am Sprechen bekommen. Dadurch wird für das Kommunizieren eine angstfreie Basis (sprachlich nicht mithalten zu können) geschaffen.

 

Wir werden zunächst versuchen den Grundwortschatz der Kinder nach ihren Lernbedürfnissen aufzubauen. Die Inhalte sollen aus den Lebenserfahrungen der Kinder stammen z.B. Körper, Familie, Kleidung, Nahrung, Umgebung (wie Kindergarten, Schule, Stadt etc.).

Satzformen werden im Spielen mit wiederholenden Satzmustern angeboten und gefestigt.

Gemeinsam werden wir Geschichten erzählen, sodass die Kinder die Möglichkeit bekommen, sich im freien Erzählen zu üben.

 

Bei älteren Kindern, die schon einen gewissen Wortschatz aufgebaut haben, werden Bilderbücher hilfreiches Material sein. Dadurch werden sie animiert zu kommentieren, nachzufragen und zu erzählen. Somit ist den Kindern die Möglichkeit gegeben, ihren aktiven Wortschatz zu erweitern. Eine andere Form, die die Sprachentwicklung deutlich fördert ist das Vorlesen. Dabei werden die Kinder durch die Frage-Antwort-Sätze zur Beteiligung „eingeladen“.

 

Besonders das Verbalisieren von Gefühlen soll die emotionale Reifung fördern und insgesamt soll dadurch auch ein kommunikatives Klima in der Gruppe unterstützt werden (emotionale Intelligenz). Ziel bei den „Übungen“ wird es sein, den Kindern Wörter an die Hand zu geben, um ihre Gefühle zu beschreiben. Sie können meistens die nicht-verbale Zeichen gut deuten aber kennen die Benennung dafür nicht. Dieser Mangel soll ausgeglichen werden. Hier kann z.B. ein mit den Kindern gebastelte Mimikwürfel sich als hilfreich zeigen. Die Kinder würfeln hintereinander und erzählen zu dem gewürfelten Gesichtsausdruck, wie sich jemand hierbei fühlt.

 

Dabei ist die Versprachlichung, das Kommentieren über die aktuelle Tätigkeit die Brücke, die vom „Tun“ zum „Darüber-Reden“ führt.

 

Das „Zuhören“ als Medium der Kommunikation ist genau so wichtig. Wenn das Kind noch nicht fließend sprechen kann, bedeutet Zuhören Geduld zu haben, dem Kind die zeitliche Möglichkeit zu geben, sich äußern zu können. Es wäre nicht korrekt, dem Kind Wörter aus dem Munde zu nehmen, weil man vermutet, was es sagen möchte. Das aktive Zuhören ist ein wichtiger Schritt in der Sprachentwicklung. Aktives Zuhören bedeutet auch, dass wir uns auf die Gefühle des Kindes konzentrieren müssen und sie heraushören.

 

Hierbei ist es wichtig, die Kinder in ihren Äußerungen nicht zu verbessern. Denn dies könnte dazu beitragen, dass die Sprachmotivation gehemmt wird. Korrigierende Wiederholungen und korrigierende Erweiterungen sind hier das Mittel der Wahl, um einen Lernzuwachs auf inhaltlicher und formaler Ebene erreichen zu können.

 

Bei unserer Arbeit sollen klare Strukturen (wie Begrüßung, Erwärmungsphase, Spiel-Lern-Phase, Verabschiedung) den Kindern Sicherheit und Orientierungshilfen geben. Auch ein „Redestein“ zeigt eindeutig, wer reden darf und wer nicht. Die Kinder sollen daran gewöhnt werden einander zuzuhören und ausreden zu lassen. Diese Kommunikationsstruktur ist gleichzeitig eine wichtige Vorbereitung für den schulischen Alltag.

 

3.3.1.1 Vorstellung eines Sprachprogramms

 

An dieser Stelle möchten wir gerne auf das Sprachprogramm von Elke Schlösser eingehen in: „Wir verstehen uns gut, Spielerisch deutsch lernen, Ökotopia Verlag, Münster, 2001“.

Dieses Sprachprogramm ist auf grund der Bedarfslage in Beratung und Fortbildung zu fachgerechten Umgang mit Mehrsprachigkeit in Kindereinrichtungen entstanden. Es ist auf einen Zeitraum von einem Jahr angesetzt. Die Kinder sollen ein bis zweimal pro Woche an diesem Programm teilnehmen.

Das Sprachprogramm arbeitet als Baustein-System. Die einzelnen Baustein-Elemente können separat angewendet werden. Auch die Themenbereiche können situativ und aktuell ausgewählt werden. Was unserer Meinung nach auch sehr effektiv sein kann.

Eine Programmeinheit umfasst in der Regel 20-30 Minuten, sodass die durchschnittliche Konzentrationsfähigkeit der Kinder berücksichtigt werden kann.

 

Jeder Baustein umfasst vier Teilbereiche:

1. Sprachziel (Wörter und sprachliche Elemente, die der Baustein vermittelt, Wortschatzerhöhung)

2. Methodik (die Art und Weise, in der die gewählte und empfohlene Sprachinhalte vermittelt werden, Geschichten, Gedichte, Fingerspiele, Anzählreime, Märchen, Lieder, Rollenspiele, Gesellschaftsspiele, Malen, Einzel- und Gruppengespräche und Erkundungen bilden die Basis zur Umsetzung)

3. Materialien (welche didaktischen Materialien zur Umsetzung geeignet erscheinen, empfohlen oder zur Verfügung gestellt werden)

4. Reflexion (hier sollte notiert werden, wie die Durchführenden einzelne Elemente einsetzen und welche Erfahrungen sie mit ihnen gemacht haben).

Die Themenbereiche sehen folgendermaßen aus:

Baustein 1: Das bin ich

Baustein 2: Das bist du

Baustein 3: Das ist meine Familie

Baustein 4: Hier im Kindergarten

Baustein 5: Bald gehe ich in die Schule

Baustein 6: Mein Stadtteil

Baustein 7: Ich bin krank

Baustein 8: Alle Tiere dieser Welt

Baustein 9: Formen, Farben, Mengen

 

Ein Beispiel (auszugsweise) für ein konkretes „Spiel-Lern-Angebot“ aus dem oben genannten Programm:

 

Bausstein 1: Das bin ich:

 

1.1   Mein Name

Sprachziel:        

Wie heißt du? Ich heiße Sandra.
Heißt du Sandra? Ja ich heiße Sandra
(Die Namen aller Kinder in der Gruppe werden so erfragt)

Methodik:

Die Durchführung beginnt im Stuhlkreis, oder auf dem Teppich. Eine Handpuppe, die als Medium zwischen der vermittelnden Person und den Kindern dient, erleichtert den Einstieg in die Thematik „Das bin ich“. Zuerst befragt die Erzieherin die Namen der Kinder, dann befragen sich sie Kinder untereinander und im Wechsel. Die Kinder nehmen die Handpuppe und gehen im Kreis herum mit der Frage: „Wie heißt du?“

Variante: Kinder Spielen das Spiel: „Mein rechter Platz ist leer, ich wünsche mir die...herbei“. Dieses Spiel wird solange gespielt, bis jedes Kind aufgerufen wurde und den Platz wechseln konnte.

Material: 

Handpuppe

 

1.2   Junge-Mädchen-Kinder

Sprachziel:

Die Worte von Baustein 1.1 aufgreifen

(Die Namen aller Kinder in der Gruppe werden so erfragt)

Mit Hilfe von Bilder-Kärtchen: „Das ist ein Junge“, „Das ist ein Mädchen“, „Das sind Kinder“

Erweitern um die Frage-Antwort-Kombination:

„Bist du ein Junge?“ - „Ja ich bin ein Junge.“

„Bist du ein Mädchen?“ - „Ja ich bin ein Mädchen.“

„Seid ihr Kinder?“ – „Ja wir sind Kinder.“

Methodik: 

Mit dem Aufgreifen der Worte aus dem Baustein 1.1 wird sicher gestellt, dass die Inhalte des Elements aufgenommen wurde. Das Kartenspiel mit den Kinderbildern (Kopiervorlage im Buch) wird benutzt. Die Kinderdarstellungen werden ausgeschnitten auf Blanko-Memory-Karten kleben und von den Kindern bemalen lassen. Die Kinder spielen mit diesen Karten ein Memoryspiel: wenn das Bild aufgedeckt wird sagt das Kind „Das ist ein Junge!“

„Das ist ein Mädchen!“ Die aufgedeckten Karten werden so aneinander gelegt, dass die Kinder auf den Karten sich an den Händen fassen. Dann kommt die Handpuppe wieder zum Einsatz und fragt: „Was bist du?“ „Bist du ein Junge/ein Mädchen?“ Die Kinder antworten: „Ja ich bin ein Junge/ein Mädchen.“ Fragt die Handpuppe falsch, dann müssen die Kinder die Variable „Nein“ erkennen und sinnvoll einsetzen: „Nein, ich bin ein Junge/ein Mädchen.“

Materialien:

Handpuppe, Blanko-Memory-Karten, Vorlagebilder kopieren, Schere, Kleber, Malstifte.

 

In dieser Arbeitsweise werden unten aufgezählte Themen mit den Kindern bearbeitet:

1.3   Körperteile benennen können

1.4   Ein Koffer voller Kleider

1.5   Kleider für die Reise

1.6   Der Hampelmann zieht sich an

1.7   Zeitfolgen benennen können

1.8   Kleider-Memory

1.9   Meine fünf Sinne

1.10 Ich esse gerne Obst

1.11 In meinem kleinen Apfel

 

Die konkreten „Spiel-Lern-Angebote“ für unser Projekt haben wir zu einem Fundus von Übungen zusammengetragen. Wir hoffen unser Repertoire auch weiter erweitern zu können. Wir halten es für nicht notwendig eine Auflistung der Übungen in dieses Konzept einfügen zu müssen. Bei Nachfragen wären wir aber gerne bereit, diese Sammlung zur Verfügung zu stellen.

 

3.3.2 Mit Eltern

 

Wir brauchen bei diesem Projekt die Unterstützung der Eltern. Um unsere Zusammenarbeit starten zu können, wollen wir vor der Einführung des Projektes in jedem Kindergarten einen Elternabend einberufen.

Wir wollen dabei anfangs einen kleinen Vortrag über die Themen: Zweitspracherwerb, Muttersprache, Umgebungssprache, Projektinhalt halten. Wir hoffen danach eine Diskussion in Gange bringen zu können, bei der die Eltern zu Wort kommen können und werden dabei um die Unterstützung der Eltern bitten. Langfristiges Ziel wird sein, mit den Eltern in Kontakt zu bleiben und die Kommunikation zwischen Eltern und Erzieherinnen zu fördern.

Dabei hoffen wir durch unserer nicht deutschen kulturellen Herkunft die ausländischen Eltern motivieren zu können, die Kommunikation mit dem Kindergarten zu suchen. Um die Sprachbarriere für einige Eltern zu umgehen, wird Frau Bulut bei Bedarf unseren Vortrag auch in türkischer Sprache halten.

Wir hoffen auch in Einzelkontakten danach mit den Eltern den Sprachentwicklungsstand der Kinder in der Muttersprache erfahren zu können.

 

Die Inhalte des Vortrages etwas ausführlicher (in Form von kurzen Statements und Stichwörtern):

 

„Weltweit ist Einsprachigkeit weniger häufig als Mehrsprachigkeit“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 21).

 

„Zwei- oder Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die angesichts der Globalisierungsprozesse und wachsender Mobilität besonders zu fördern ist“ (SECHSTER FAMILIENBERICHT, 2000, S. XXV).

 

Die Muttersprache ist als erste Bindungssprache, in ihrer Emotionalität unersetzbar.

„Bedauerlicherweise herrscht in der Öffentlichkeit immer noch die Meinung vor, die Muttersprache sei hinderlich für den Zweitspracherwerb... . Im Gegenteil. Forschungen belegen, dass der systematische Ausbau der Erstsprache für den Zweitspracherwerb förderlich ist.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.28).

 

Klare Regeln treffen: „Eine klare Regelung, wer wann welche Sprache spricht, ist für eine

mehrsprachige Erziehung sehr vorteilhaft. Welche Regelung die beste ist, hängt von Familie zu Familie ab. Möglichkeiten sind:

Wichtig ist, dass sich die Familie mit der gefundenen Regelung wohlfühlt und diese über lange Zeit beibehält. Das Kind sollte möglichst gleichmäßige Anregungen in allen Sprachen bekommen. Sprechen Sie mit dem Kind nur Sprachen, die Sie wirklich gut beherrschen. Wenn Sie mit dem Kind nicht die Umgebungs- bzw. Schulsprache sprechen, sollten Sie sich unbedingt rechtzeitig (ca. zwei Jahre vor Einschulung) vergewissern, ob das Kind die Schulsprache gut genug spricht – damit der Schulstart kein Fehlstart wird.“ (Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, Elke Burkhardt Montanari, 2000, Brandes & Apsel, S. 35)

 

Wann sollte ein Fachmann zur Rate gezogen werden?

Das Kind stammelt oder stottert länger als sechs Monate. (Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, Elke Burkhardt Montanari, 2000, Brandes & Apsel, S. 62)

 

„Viel Neues im Kindergarten... . Unter günstigen Voraussetzungen kann das Fortschritte in der Nichtumgebungssprache nach sich ziehen (bootstrapping). Wird die Nichtumgebungssprache wenig gefördert, wird sie jetzt schwächer.“ (Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen, Elke Burkhardt Montanari, 2000, Brandes & Apsel, S. 92)

 

Was können Eltern für den Kindergartenalltag ihrer Kinder tun? „Wenn Eltern und Erzieherinnen im Kindergarten Geschichten vorlesen, abwechselnd in Deutsch und in einer der Muttersprachen, erleben Kinder die Gleichwertigkeit aller Sprachen. Dies regt sie dazu an, sich in spielerischer Weise mit der eigenen, wie mit der  anderen Sprache auseinander zu setzen.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.31)

 

3.3.3 Mit Erzieherinnen

 

Vor Beginn dieses Projektes wollen wir natürlich auch das Erzieherinnenteam über unser Projekt informieren. (Organisatorische Themen werden weiter unten behandelt). Ein kleiner Vortrag soll die Diskussion anregen. Ein großer Erfolg wäre für uns, wenn Erzieherinnen einzelne Anregungen in ihren Arbeitsalltag aufnehmen würden und die Förderung kontinuirlich fortführen würden. (Nach dem Motto: besser täglich 10 Minuten als einmal die Woche eine halbe Stunde).

Jedes Team soll entscheiden, ob gegen Ende des Projektes jeweils ein oder zwei Erzieherinnen uns in den Stunden begleiten, um dann die Förderung weiterzuführen, oder ob außenstehende Personen (wie z.B. Mütter) mit einbezogen werden sollen.

 

Einige Themen dieses Vortrages:

 

Obwohl viele Kinder sich am Anfang verbal kaum verständigen können, meistern sie die Situation erstaunlich gut. „Doch es gibt  auch immer wieder Kinder, die damit überfordert sind. Die Folge ist, dass sie sich lange Zeit zurückziehen, keinen Kontakt aufnehmen und bis zu einem Jahr und länger verstummen.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.26). Meistens intuitiv nutzen Erzieherinnen die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten, um dem Kind zu vermitteln, dass sie es sehen, es wahrnehmen, an ihm interessiert sind.

„Sprachförderung beginnt an dem Tag, an dem das Kind zum ersten Mal die Einrichtung betritt. Sie beginnt mit der Art und Weise, wie die Kinder und auch ihre Eltern im Kindergarten empfangen und wie Beziehungen geknüpft werden. Dies beeinflusst ganz wesentlich die Motivation der Kinder, sich auf fremde Kommunikationssituationen einzulassen oder diese eher zu meiden.“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.28)

 

„Die Erzieherin kann in den Alltagssituationen durch den bewussten Einsatz von sprachbegleitendem Handeln den Spracherwerb der Kinder sehr unterstützen“ (hierbei kann man sowohl das eigene Handeln als auch das Handeln der Kinder sprachlich begleiten)... . Im Kindergarten gilt es also, die Vielzahl von Alltagssituationen für natürliche Sprechanlässe zu nutzen. Für das pädagogische Fachpersonal bedeutet Sprachförderung für diese Altersgruppe daher, die verschiedenen Situationen in der Kindertageseinrichtung unter kommunikativen Gesichtspunkten in den Blick zu nehmen und gezielt zu gestalten“  (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.44)

In vielen Situationen ist die Förderung der Sprechfreude und die Herstellung eines kommunikationsfreudigen Klimas keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine Veränderung im Sinne einer bewussten Beachtung und Reflexion des Kommunikationsstils.

 

Der Anteil zwei- oder mehrsprachiger Kinder im Kindergarten spielt dabei eine wichtige Rolle: In einem Kindergarten mit vielen deutschsprachigen Kindern haben die zweisprachigen Kinder Spielpartner, die Deutsch als gemeinsame Sprache der Verständigung vermitteln. Und das erleichtert und beschleunigt das Lernen der Zweitsprache. Ein Kindergarten der überwiegend Kinder aus zugewanderten Familien betreut, steht vor einer völlig anderen Situation. In diesen Einrichtungen ist für die Unterstützung der Kinder eine Intensivierung der Sprachförderung erforderlich.  Eine regelmäßige gezielte Planung und Umsetzung von differenzierten Angeboten sollte neben der Förderung in Alltagssituationen ein fester Bestandteil der Konzeption sein.

 

„Die Beschäftigung mit einer Teilgruppe oder einem einzelnen Kind erfordert vom pädagogischen Fachpersonal die Verabschiedung von der Vorstellung, immer und zu jeder Zeit Ansprechpartner für die Gesamtgruppe zu sein. Es ist wichtig, sich mit dem Gesamtteam in einer Einrichtung über diese Aufgaben und die Konsequenzen für die Arbeitsweise im Haus zu verständigen“. (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.47).

 

Es kann sein, dass Migrantenkinder die Kindergartenumgebung vollkommen fremd erscheint. „Versetzt man sich selbst gedanklich in diese Situation, wird deutlich, wie wichtig es ist, in multikulturell zusammengesetzten Gruppen kulturelle Vielfalt durch die Präsenz von Materialien  herzustellen. Dazu gehören Fotos, Bilderbücher, Gegenstände oder Lieder aus anderen Kulturen. Es sollten möglichst alle Kinder etwas Vertrautes in der Einrichtung vorfinden“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S.26)

 

„Um zu überprüfen, ob in einer Einrichtung Respekt gegenüber der Mehrsprachigkeit gezeigt wird, kann sich ein Team verschiedene Fragen stellen:

(Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 22).

 

Auch einfache Sachen, wie z.B. den Namen richtig aussprechen können hier hilfreich sein.

 

„Interkulturelle Bildung in multikulturell zusammengesetzten Gruppen bedeutet nicht die Anpassung von Minderheiten an Mehrheiten. Auch eine Beschränkung der Pädagogik auf die Aufklärung über Sitten und Gebräuche anderer Länder, einst häufig Thema der interkulturellen Erziehung, entspricht nicht mehr dem Stand der Fachdiskussion. Das „Typische“ einer Kultur in den Vordergrund zu stellen, kann zu Vereinfachung und zur Verstärkung von Klischees beitragen. Vielmehr hat interkulturelle Bildung auf der Basis einer Wertschätzenden Grundhaltung die Vermittlung von Akzeptanz und Toleranz als Lernziel... . In Kindertageseinrichtungen bedeutet dies für Erwachsene wie für Kinder, mit Unklarheiten, Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten umgehen zu lernen- zu lernen, dass es unterschiedliche Sichtweisen und Wertvorstellungen gibt.. Gelingt der Lernprozess, ist eine wichtige Grundlage für den Abbau von Vorurteilen geschaffen“ (Meine, deine, unsere Sprache, Konzeption für eine Sprachförderung zwei- und mehrsprachiger Kinder, Stadt Frankfurt am Main, Stadtschulamt, 2001, S. 11).

 

4. Organisatorische Themen

4.1 Wann? Wo? Wie oft?

Wir werden das Projekt zu zweit durchführen: Frau Bulut ist Türkin, Diplom Pädagogin und Mutter von zwei Kindern, und Frau Pimenidou ist Griechin, Diplom Psychologin und ebenfalls Mutter von zwei Kindern.

Wir werden Im Zeitraum vom 12.08.02 bis zum 21.12.02 in zwei Kindergärten 44 Kinder fördern. Jedes Kind soll wie oben erwähnt zwei mal wöchentlich für eine halbe Stunde an einer festen Gruppe teilnehmen.

Wir wollen das Projekt vom 12.08.02 bis zum 08.09.02 im Kindergarten „Hirschgraben“ in Taunusstein Hahn beginnen. Dort sollen 18 Kinder gefördert werden. Zwei Räume stehen uns dort alternativ zur Verfügung. Wir werden die Gruppen im oben erwähnten Zeitraum zusammen leiten. Nach dieser Anfangsphase wird eine der beiden Leiterinnen das Projekt alleine im „Hirschgraben“ weiterführen.

Die zweite Leiterin wird ab dem 09.08.02 das Projekt im Kindergarten Taunusstraße in Taunusstein Bleidenstadt starten. Dort sollen 26 Kinder gefördert werden.

 

4.2 Finanzen

Gesamtkosten

Wir werden pro Arbeitsstunde (60 Minuten) 25 Euro in Rechnung stellen. Pro Arbeitsstunde werden wir zwei Gruppen fördern. Die ersten drei Wochen werden diese Kosten für beide Zusammen anfallen. 

 

12.08.02-08.09.2002

3 Wochen x 4 Stunden x 25 Euro = 300 Euro

09.08.2002 – 21.12.2002

14 Wochen x 4 Stunden x 2 Personen x 25 Euro = 2800 Euro

Summe:  3100 Euro

 

Beantragte Förderung vom Sozialministerium

Jedes Kind fördern wir zweimal wöchentlich für je eine halbe Stunde, also 60 Minuten in der Woche. Pro Kind gerechnet bedeutet das:

Taunusstraße 26 Kinder x 14 Wochen = 364 Stunden

Hirschgraben 18 Kinder  x 17 Wochen = 306 Stunden

Summe 670 Stunden x 1.25 Euro = 837.5 Euro

 

Förderung vom Sozialministerium

 

Die Integrationsbeauftragte des Rheingau-Taunus-Kreises kann 1700 Euro bezahlen. Die verbleibende Summe wird  von den Finanzmitteln der Stadt Taunusstein und des Ausländerbeirates Taunusstein übernommen.

5. Effektivität

 

Wichtig ist für uns auch, die Effektivität unseres Projektes nachzuweisen.

Wir werden daher den Sprachentwicklungsstand der geförderten Kinder vor der Förderung und nach der Förderung mit Hilfe der Erzieherinnen und der Eltern beobachten und mit dem „Sprachstandsbogen“ (S. 197-203) aus dem Buch: „Wir verstehen uns gut, spielerisch Deutsch lernen“, von Elke Schlösser dokumentieren.

Nach der Fördermaßnahme soll ein detaillierter Bericht erstellt werden, und das weitere Vorgehen geplant werden

 

6. Nachwort

 

Die multikulturelle Erziehung hat als Ziel, den Menschen in einer multikulturellen Gesellschaft zu Toleranz, zu besserem Verständnis füreinander und zu Vorurteilabbau zu verhelfen. Die Lösungen der Probleme der Mehrsprachigkeit ist nur eine Aspekt von vielen.

 

Fremde Sprachen verdeutlichen Denk- und Verhaltensmuster, sie bündeln kulturelle Traditionen. Eine fremde Sprache erlernen bedeutet unter anderem kommunikationsfähig zu sein, eine Beziehung aufzubauen d.h. sich dem Gegenüber mitteilen zu können und einen Austausch zwischen den Gefühlen und Wünschen stattfinden zu lassen. So kann man die Begrenztheit der eigenkulturellen Perspektive erkennen.

 

Unser sprachliches Förderprogramm soll den ausländischen Kindern einen chancengleichen Start bei Schuleintritt ermöglichen. Diese Kinder sollen nicht mehr durch Sprachprobleme gleich in die Sonderschulen eingeschult werden, sondern vielmehr müssen ihre Benachteiligung ausgeglichen und überwunden werden.

 

In der gegenwärtigen Zeit, in der die Gewalt zunimmt, ist die schulische, bzw. außerschulische Integration sehr wichtig. Es ist unumstritten, dass eine differenzierte sprachliche Ausdrucksfähigkeit eine wichtige Voraussetzung für den schulischen Erfolg bzw. hohen Bildungsabschluss ist. Gesellschaftliches Miteinander, welches durch Achtung, Toleranz, Möglichkeit und Fähigkeit zur Kommunikation geprägt ist, soll als Idealziel angestrebt werden.